Industrielle Fertigung von handelsüblichem Brettsperrholz © FLEX@HTWK Leipzig, Hannes Löschke
Schematischer Ablauf des modifizierten Produktionsprozesses © FLEX@HTWK Leipzig
Probekörper mit modifizierten Brettlagen © FLEX@HTWK Leipzig, Hannes Löschke
Trocknung von Pappelholz für Probekörper © KOOP-Architekten & Ingenieure, Lars Christoph
Der Bausektor steht vor erheblichen ökologischen und strukturellen Herausforderungen. Hohe Treibhausgasemissionen, lange und globalisierte Lieferketten sowie der intensive Einsatz mineralischer Baustoffe tragen wesentlich zur Klimabelastung bei. Gleichzeitig wächst der Bedarf an effizient herstellbaren, flexiblen und nachhaltigen Bauweisen. Der Holzbau bietet hier großes Potenzial, insbesondere durch Brettsperrholz (BSP/CLT) als industriell vorgefertigtes, tragfähiges und vielseitig einsetzbares Bauelement. In der aktuellen Praxis ist die BSP-Produktion jedoch stark zentralisiert, technisch hoch standardisiert und nur begrenzt an regionale Rohstoffverfügbarkeiten oder projektspezifische Anforderungen anpassbar. Funktionale Eigenschaften wie Wärmeschutz, Schallschutz oder Brandschutz werden häufig durch zusätzliche Schichten und Materialien ergänzt, was den Materialeinsatz erhöht, die Komplexität steigert und ökologische Vorteile teilweise relativiert. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, wie eine ressourceneffiziente, regional verankerte und zugleich leistungsfähige Brettsperrholzproduktion zukünftig gestaltet werden kann.
Das Verbundprojekt BSP-Modular adressiert diese Fragestellungen durch die Entwicklung eines integrierten Konzepts für funktional modifiziertes Brettsperrholz. Ziel ist es, Bauteile zu entwickeln, die mehrere bauphysikalische und konstruktive Funktionen bereits im inneren Aufbau übernehmen. Dazu werden variable Schichtaufbauten, der gezielte Einsatz biogener Dämmstoffe sowie innovative, möglichst metallfreie Verbindungskonzepte untersucht. Zentrale Forschungsfragen betreffen die Wechselwirkungen zwischen Material, Geometrie, Konstruktion und Fertigungsprozess sowie deren Auswirkungen auf Tragverhalten, Bauphysik, Ressourceneinsatz und CO₂-Bilanz. Ergänzend wird ein digital gestütztes Systemmodell entwickelt, das diese Abhängigkeiten abbildet und Planungsentscheidungen frühzeitig mit produktionstechnischen und ökologischen Konsequenzen verknüpft. Ein weiterer Fokus liegt auf der Modellierung regionaler Wertschöpfungsketten und der Bilanzierung von Stoffströmen und Transportwegen, um den Einfluss regionaler Produktionsstrukturen quantitativ bewerten zu können.
Die Forschungsgruppe FLEX übernimmt im Projekt eine zentrale Rolle bei der Entwicklung des digitalen und systemischen Ansatzes. Der Beitrag von FLEX umfasst die Analyse und Modellierung der Prozess- und Wertschöpfungskette der Brettsperrholzproduktion sowie die Entwicklung eines interaktiven, digitalen Funktionsmodells. Dieses Modell verknüpft Entwurfsparameter, Materialeigenschaften und Fertigungslogik und ermöglicht eine transparente Bewertung von Designentscheidungen. Darüber hinaus ist FLEX für die prototypische Umsetzung der digitalen Werkzeuge, die Integration in CAD-basierte Planungsumgebungen sowie die wissenschaftliche Begleitung und Auswertung bauphysikalischer und konstruktiver Untersuchungen verantwortlich. Damit stellt FLEX die Schnittstelle zwischen Forschung, digitaler Planung und praktischer Anwendung dar.
Eine Besonderheit des Projekts liegt in der konsequenten Verbindung von Materialforschung, digitaler Planung und regionaler Produktionslogik. BSP-Modular verfolgt keinen isolierten Produktansatz, sondern versteht Brettsperrholz als Teil eines vernetzten Systems aus Forstwirtschaft, Planung, Fertigung und Baupraxis. Die Ergebnisse sollen nicht nur prototypisch erprobt, sondern perspektivisch in reale regionale Produktionsstrukturen übertragbar sein. Durch den modularen, offenen Systemansatz entsteht ein hohes Transferpotenzial für andere Regionen und Anwendungsfelder im Holzbau. Gleichzeitig leistet das Projekt einen Beitrag zur Weiterentwicklung digitaler Methoden im Bauwesen und zur Qualifizierung von Fachkräften an der Schnittstelle von Architektur, Ingenieurwesen und digitaler Fertigung.
Keywords: Funktional modifiziertes Brettsperrholz (FMB), Regional, Wertschöpfungskette, Prozess- und Systemmodellierung, Ressourceneffizienz, Holzbauproduktion, Durchgängig digitale Planung
Projektleitung
• KOOP Architekten & Ingenieure
Projektmanagement
• Dipl.-Ing. Hannes Löschke
Bearbeitung
• Dipl.-Ing. Hannes Löschke
• Stefan Huth, M.A., Architekt
• Emily Seemann, B.A.
Kooperationspartner
• KOOP Architekten & Ingenieure
• Zimmerei Hendrik Walther
Fördermittelgeber
Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt
Projektträger
Projektträger Jülich (PTJ)
Projektlaufzeit
05|2025 - 04|2028
Förderkennzeichen
03WIR3609C
Fördersumme
538.800 EUR (gesamt: 1,03 Mio. EUR)



